Laufplan der Gägs
Laufplan der Gägs
Gägsball 15. Februar 2020 im Thomasheim
 Gägsball 15. Februar 2020 im Thomasheim

Geschichte

Geschichte

Eine der wenigen Aufnahmen, die einen "Plätzler" zeigt, das Vorkriegs-Häs, das als Vorbild für den heutigen Gägs gelten darf. Er marschierte vorneweg und hatte schon den Fuchsschwanz und die Saublodere.

Im Häs steckt Schreiner Matthä Weiser.

 

 

 

Die Satzung der Narrenzunft Neustadt 1874 e.V. musste mehrfach überarbeitet und in den letzten Jahren auch Juristisch nach geschliffen werden. So sah die Satzung von 1957 die Wiedergründung der Plätzlergarde vor. Daraus wurde nichts, stattdessen wurde 1958 der Gägs geboren und am 11.11.1959 in der „Krone“ den Mitgliedern erstmals vorgestellt.

 

 

Damals Sprangen vier Gägs unter das Publikum. Unter den Masken verbargen sich Ernst Schwörer, Hans Jordan, Fritz Kleis und Gärtnermeister Franz Götz. Schon ein Jahr später lesen wir im Sitzungsprotokoll des Elferrates: „Bei Stoll weitere sieben Masken in Auftrag geben. Bei den beiden Schneidern in Neustadt je drei Kostüme“. Ein weiteres Gägs-Kostüm mit Maske wurde von Hermann Kegel vom Kadus-Werk gestiftet. Es handelt sich um den Sohn des früheren Narrenvaters Ludwig Kegel.
Auch Bürgermeister Pfeffer überreichte an diesem Abend als „Taufgeschenk“ einen städtischen Scheck in Höhe von 1000 Mark, eine für damalige Verhältnisse enorm hohe Summe, die dann auch im Protokoll als „Wunder“ verzeichnet wurde.
Es existieren eine ganze Reihe von Sagen und Legenden, wie es denn eigentlich zur Idee des „Gägs“ gekommen sei. Tatsache ist: Da es eine „Plätzlermaske“ nicht gab, musste dafür ein Entwurf her. Man war sich im Narrenrat einig, dass man bei dieser Gelegenheit auch das Häs neu gestalten sollte. Wie beim alten (aber nie in Serie gegangenen) Plätzler sollte es sich um ein Flickenhäs handeln, möglichst bunt und möglichst lustig. Malermeister Erich Hartfelder legte dem Narrenrat den Entwurf von Häs und Maske vor. Form und Farbgestaltung fanden vollste Zustimmung. Nur spitzbübischer wollte man ihn noch haben und so gab Malermeister Paul Tscholl demGägs sein heutiges pfiffiges Schelmengesicht. Das Sitzungsprotokoll des Narrenrates spricht von einem „typisch Schwarzwälder Kopf, so ein ausgesprochen charakteristischer Zipfelkappenkopf, der trotz grotesker Form immerhin lieblich und vor allen Dingen heiter, fröhlich, pfiffig, schlitzöhrig, originell und drollig wirken sollte!. „Es sollte ihm anzusehen sein, dass er lange braucht, um sich zu etwas zu entschließen, jedoch, wenn er sich erst mal entschlossen hat, dann bleibt’s auch dabei“. Ein echter „Wälder“ eben.

Nach einem ersten Muster aus Ton sollte dann ein auswärtiger Holzschnitzer die ersten Holzmasken anfertigen. Doch dieser stürzte, die Tonmaske im Rucksack, mit einem Motorad, und der Traum von der ersten Gägs-Maske hatte sich zunächst buchstäblich zerschlagen.
Auch der Titiseer Bildhauer Friedrich Büschelberger wurde um einen Entwurf gebeten. Er fertigte eine Gipsmaske, die aber beim Narrenrat keinen Gefallen fand.



Das berühmte Bild der Gägstaufe 1959: Narrenvater August Paul schüttet Konfetti über den ersten Gägs (Ernst Schwörer).

 

 

 

 

 

 

 

Es gab aber noch die bildliche Vorlage von Erich Harfelder und Paul Tscholl, und nach dieser Vorlage formte schließlich Holzbildhauer Heiner Stoll den Gägskopf, wie man ihn heute noch kennt.
Es dauerte noch ein weiteres Jahr, nämlich bis zum November 1959 bis der Gägs beim Nebüba unter großem Schellenklang und Brimborium endlich der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. Berühmt ist das Bild von Narrenvater August Paul, der aus einem Sektkübel den ersten Gägs mit Konfetti tauft. Dieses Bild fehlt in keiner Chronik, unter anderem kann man es auch im „Gägsbureau“ im Zunftlokal „Spritzenhäusle“ besichtigen. Der erste Gägs der damals getauft wurde, das war Ernst Schwörer, nach ihm wurden noch neun weitere Gägs getauft.
Weitere Einzelheiten der Taufzeremonie: Der Gägs wurde in einem „Chaisewägele“ von den Eltern „Waldgeist und Widewiebli“ (gespielt von Hans Jordan und Herta Heilbock) in den Saal gefahren. Hinter den Eltern folgte die Hebamme (dargestellt von Karl Fischer). Dahinter die Paten und der Elferrat.
Narrenvater Paul formulierte in seiner Taufrede den hohen Anspruch, der an einen Gägs gestellt wird: „Er muss trinken können, er muss geistvoll und witzig sein, er muss tanzen und springen können. Das Tauflied: „Gägs,Gägs,Gägs, wer hät so ä schönes Häs? Wer hät so schöni Maske a, mit so schöni Glöckli dra, bin i nit än schöne Ma?“ wurde von Emil Ruf (einem Bruder von Prinz Karneval Edelbert Ruf) und Scribifax Wilfried Isele geschrieben.

Nicht nur bei der Gägs-Maske, auch beim Häs und seinen Farben haben sich die Schöpfer etwas gedacht. Mit der Silberdistel und den umrahmenden Tannenzapfen auf dem ledernen Brustlatz wird die Schwarzwälder Heimat angedeutet. In der rot-weißen Zipfelmätze und gleichen Strümpfen sind die Neustädter Farben abgedeutet. Die Häs-Farben wurden ebenfalls von Erich Hartfelder entworfen.


Von wem aber der Name Gägs ins Spiel gebracht wurde, anstelle des alten "Plätzler" das ist an keiner Stelle in den amtlichen Aufzeichnungen festgehalten. Man muss es hinnehmen als einen ganz besonderen Geistesblitz.
1962 war die Anfangs kleine Gruppe der Neustädter Gägs sprunghaft angewachsen und es ergab sich die Notwendigkeit, sie etwas straffer in die Zunftdisziplin einzubinden. So wurde am 11.11.1962 die erste "Gägs-Satzung" verabschiedet. Was bis dahin der Obergägs war, musste von nun an als "Gägsvogt" offiziell gewählt werden. Erster Gägsvogt wurde 1963 Heinz "Charly" Neufeld.
In der aus 26 Paragraphen bestehenden Gägs-Ordnung wurde unter anderem festgehalten: "Die Maskenträger sind Glieder einer Gemeinschaft, der anzugehören eine Ehre ist (§ 3)". Einige Paragraphen mussten in späteren Jahren geändert werden, oder sie wurden Gegenstand heftiger Diskussionen. So zum Beispiel Paragraph 5: "Gägs können nur Männer vom 18. Lebensjahr an sein, sofern sie Mitglied der Narrhalla sind." In den 80er Jahren wurde dieser Paragraph zugunsten einiger weiblicher Gägs aufgegeben. Noch 1966 entnehmen wir einem Protokoll: "Die Gägs sind gegen die Schaffung der weiblichen Maske Gigs."
Auch Paragraph 9 wurde inwischen von der Zeit überholt. Dort hieß es: "Freiwerdende Masken müssen an den Obergägs zurückgegeben werden ...". Erst 1972 wurde die Regelung eingeführt, dass Gägs ihr Häs mitsamt Maske komplett selbst finanzieren mussten und es dafür dann auch ihr persönliches Eigentum war.
Lustig, aber wahrscheinlich damals dringend nötig, erscheint uns Paragraph 12: "Das Verhalten der Gägs gegenüber den Zunftpagen muss betont korrekt und zuvorkommend sein. Persönliche Gefühle sollten vor der Öffentlichkeit nicht zum Ausdruck gebracht werden". Das hieß auf gut Deutsch: Den Gägs war öffentliches Knutschen mit den Pagen verboten.
Und wer erinnert sich noch an Paragraph 23? "Die Zunft übernimmt alle zwei Jahre nach der Fasnacht eine Vollreinigung der Gägsmaske". Vor allem musste in jenen Jahren aber auch Ordnung in den nicht mehr kontrollierbaren Gägs-Nachwuchs gebracht werden. Denn die "Gäbele", so nennt sich der Narrensamen im Gägs-Kostüm (ohne Maske), hatten sich bis dato zünftig vermehrt. 1965 registrierte die Zunft bereits über dreißig Gäbele.
An alle Gäbele-Eltern wurde deshalb 1966 ein Schreiben aufgesetzt, dem ein "Gäbele-Reglement" beigefügt war. Wichtigste Regelung darin war, dass Gägs und Elferräte bei offiziellen Anlässen und Auftritten in der Öffentlichkeit gegenüber den Gäbele weisungsbefugt waren.
Die Anfänge des Gägsballes führen in das Jahr 1965. Früher in der Adler Post, dann im Thomasheim, vorübergehend im Neustädter Hof und heute wieder im Thomasheim ist der Gägsball inzwischen der einzige echte Kostümball in der Neustädter Fasnet, mit jährlich wechselndem Motto.



15.11. Arbeitssitzung Wälderstüble

Beginn 19.00 Uhr

 

07.12. Jahresabschluss

Ausflug nach Freiburg

Treffpunkt 15.00 Uhr Stellwerk

                      Anmeldeschluss 11.11.

 
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